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Gottschalk: IAA setzt Zeichen für mehr Zuversicht
Wichtigste Automobilmesse mit Bundeskanzler Schröder
eröffnet
Frankfurt am Main, 13. September 2005.„Mit dieser IAA setzen wir Zeichen für
mehr Zuversicht in diesem Land. Bisher hat noch jeder Aufschwung mit der
Zugkraft dieser Schlüsselindustrie begonnen. Wir sind sicher: Das wird auch
diesmal wieder der Fall sein“, betonte Professor Dr. Bernd Gottschalk,
Präsident des Verbandes des Automobilindustrie e.V. (VDA), in seiner Rede zur
Eröffnung der 61. IAA PKW am Dienstag in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard
Schröder und einer noch nie da gewesenen Anzahl hochrangiger nationaler und
internationaler Repräsentanten von Wirtschaft und Politik.
„Wer glaubt, diese Industrie hätte – bei allen Standort- und
Kostenproblemen, die wir zu bewältigen haben – die Schlagzahl bei neuen
Modellen, die Kreativität für Zukunftslösungen, die Bereitschaft zu
Investitionen in Forschung und Entwicklung reduziert, der irrt. Mit dieser IAA
treten wir aktiv gegen Pessimisten, Zweifler, Miesmacher, Ewig-Nörgler,
Autogegner und Bedenkenträger an“, unterstrich der VDA-Präsident.
An die Adresse der Bundesregierung stellte Prof. Gottschalk
heraus, dass trotz erkennbarer Forschritte bei den Rahmenbedingungen – auch
durch die Agenda 2010 – der Handlungsbedarf am Standort Deutschland groß
bleibe. Darüber dürfe die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass der Standort
Deutschland international wieder „bessere Noten“ bekomme. Prof. Gottschalk:
„Gerade die Unternehmen dieser Branche scheuen sich nicht, mit – wenn notwendig
– harten Schnitten die Defizite abzustellen. Nur dann gelingt es,
Standortentscheidungen und Standortwettbewerbe um neue Modelle auch künftig
wieder zugunsten Deutschlands zu fällen.“ Jetzt werde aber von der Politik eine
tatkräftige Fortsetzung der Reformen erwartet.
Der VDA-Präsident stellte vor allem die Notwendigkeit
weiterer Kostensenkungen und von mehr Arbeitszeitflexibilität heraus: „Wer bei
notwendigen Veränderungen im Interesse des Standortes mit ‚Häuserkampf’ droht,
wird lediglich noch mehr Arbeitslosigkeit ernten.“ Darüber hinaus plädierte er
für eine echte Steuerentlastung. Prof. Gottschalk: „‚Linke Tasche – rechte
Tasche’ reicht nicht. Eine Mehrwertsteuer-Erhöhung birgt konjunkturelle Risiken
– gerade jetzt – für unsere Branche. Sie wäre zwar gut für die öffentlichen
Haushalte und Sozialkassen, sie würde aber den Bürgern noch einmal 700 Mio.
Euro Kaufkraft allein an der Zapfsäule entziehen.
Prof. Gottschalk betonte: „Die Modelloffensive ist
sichtbarer Ausdruck unserer Zukunftsorientierung. Notwendige
Strukturveränderungen sind jedoch keineswegs Anlass für Zweifel an der
Schlüsselrolle dieser Industrie, sondern sichern diese.“ So hätten auch die
jüngsten Standortsicherungsvereinbarungen dazu geführt, dass der Umsatz je
Beschäftigten bei einer zunehmenden Zahl von Arbeitsplätzen angestiegen sei und
sich die Schere zwischen Deutschland und seinen Wettbewerbern bei Arbeitszeiten
und Produktivität nicht noch weiter geöffnet habe. Dies gelte es fortzusetzen.
Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl sagte Prof.
Gottschalk: „Die Erwartung ist klar: Es muss noch mehr getan werden, die
Dynamik in unserem Lande zu entfalten. Ohne sie bleibt auch von den
Entlastungen bei der Einkommensteuer per Saldo nichts übrig – Ökosteuer, höhere
Tabaksteuer, Gesundheitskosten und höhere Kraftstoffpreise erledigen den Rest.
Prof. Gottschalk weiter: „Entscheidend ist, dass Deutschland
wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs einschwenkt. Wachstum finanziert
Soziales, nicht umgekehrt. Der Feind des Wachstums ist auch nicht die
Globalisierung, sondern die Zaghaftigkeit bei der Fortsetzung von Reformen.“
Der VDA-Präsident versicherte: „Diese Industrie wird ihren
Teil dazu beitragen, damit Deutschland endlich wieder die Rolle als Zugpferd
übernehmen kann. Die Erfolgsgeschichte der Automobilindustrie – gerade auch in
Ostdeutschland – ist doch der beste Beweis, dass der Standort Deutschland
Chancen hat. Unsere neuen Werke dort sind ‚Leuchttürme’ der Zuversicht! Sie
sind Beleg für die Leistungsfähigkeit der ganzen Lieferkette, vor allem auch
der mittelständischen Unternehmen unserer Zulieferindustrie.“
Die Tatsache, dass diese Industrie mit ihrer Produktpolitik
konsequent auf Kraftstoff- und Emissionsreduzierung gesetzt habe, führe dazu,
dass sie trotz der gestiegenen Ölpreise seit 5 Monaten konjunkturelle Schubkraft
entwickle.
Prof. Gottschalk: „Diese IAA mit ihren 122 Neuheiten der
Hersteller, darunter 80 Weltpremieren, unterstreicht, dass die deutsche
Automobilindustrie mit ihrem breiten Produktprogramm und ihrem technologischen
Vorsprung – ob beim Clean Diesel oder bei Erdgas – Maßstäbe setzt und die
richtigen strategischen Antworten auf den hohen Ölpreis gegeben hat. Somit
haben wir in der Zeit der schmerzlichsten Benzin- und Dieselpreissteigerungen
Marktanteile in Deutschland und Westeuropa dazu gewinnen können – und das vor
allem mit dem Diesel.“
Die deutschen Hersteller stellten auf der IAA nicht nur
Zukunftskonzepte für die Reduzierung von Stickoxiden, sondern auch eine breite
Vielfalt von Hybrid-Modellen vor. Prof. Gottschalk: „Die Option Hybridantrieb
wird selbstverständlich auch von der deutschen Automobilindustrie wahrgenommen,
ohne dass es in Europa derzeit schon einen Marktdruck gibt. Es kommt darauf an,
mit einem breiten und attraktiven Produktprogramm dann im Markt zu sein, wenn
dieser in Bewegung kommt.“ Bei lediglich 1.500 Hybrid-Pkw-Neuzulassungen im
ersten Halbjahr in Deutschland könne davon allerdings noch keine Rede sein.
„Wenn Wettbewerber sich früher für diese Technologie entschieden haben, dann
auch deshalb, weil sie beim Diesel zu spät dran waren“, sagte Prof. Gottschalk.
Die Automobilindustrie setze sich selbst „hohe Ziele“ im
verantwortlichen Umgang mit der Zukunft – ob beim Recycling, bei Verbrauch und
CO2, bei Stickoxiden, Feinstaub, Lärm oder bei der Fahrzeugsicherheit. „Da kann
man die Regulierungs- und Vorschriftenflut, die – aus Brüssel kommend – von
Deutschland meist noch einmal übereifrig nachgebessert wurde, ruhig etwas
zurückfahren“, betonte er.
An die Politik gerichtet sagte Prof. Gottschalk: „Nicht alle
Reformen müssen etwas kosten. Schon der Verzicht, bei der Umsetzung
europäischer Richtlinien in nationales Recht immer noch teuer draufzusatteln,
würde helfen. Die Erfüllung der Ziele ist schon ehrgeizig genug.“ Das gelte
auch für die CO2-Selbstverpflichtung, bei der man derzeit sogar unterhalb des
Korridors liege. Auch an die Stickoxid-Reduzierung gehe die deutsche
Automobilindustrie offensiv heran, die geplanten EU-Grenzwerte seien angesichts
heute verfügbarer Technologie höchst anspruchsvoll. „Aber wir werden da nicht
stehen bleiben“, unterstrich Prof. Gottschalk.
Angesichts der „exorbitant hohen Ölpreise“ betonte Prof.
Gottschalk, dass die deutsche Automobilindustrie mit hohen Investitionen und
erheblichen Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen den
Durchschnittsverbrauch bei Neufahrzeugen um rund 25 Prozent gegenüber 1990
gesenkt habe, auch bei der CO2-Reduzierung in Europa in Richtung auf 140 g/km
sei man auf gutem Weg. Im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung werde zudem
„fair hervorgehoben“, dass die CO2-Emissionen des Verkehrsbereichs seit 1999 um
15 Mio. t gesunken sind. Der VDA-Präsident unterstrich: „Es gibt keinen
Stillstand: Wir werden die Motor- und Fahrzeugtechnologie weiter optimieren.
Neue Antriebskonzepte, wie Hybrid, Brennstoffzelle, Erdgas- oder
Wasserstoffmotoren sehen wir hier auf der IAA in voller Breite. Bio-Kraftstoffe
sind auf dem Vormarsch. Bei Kraftstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, wie
Ethanol, können wir uns eine Verdoppelung der Beimischung vorstellen. Das macht
uns weniger abhängig vom Öl.“
Dies seien die richtigen Antworten. Prof. Gottschalk: „Aber
wir erwarten auch Antworten von der Politik. Die Automobilindustrie und die
Autofahrer können es nur begrüßen, wenn die Politik erklärt, nicht an dem
steigenden Ölpreis gewinnen zu wollen. Energie künstlich teuer zu machen und
‚die Rente an der Zapfsäule einzuzahlen’, war aber auch konzeptionell kein
guter Weg. Kunden und Konjunktur leiden darunter. Dabei steht diese Industrie
in den Startlöchern als Zugpferd konjunktureller Belebung. Und eine Pkw-Maut
träfe den Autofahrer noch einmal. Er zahlt genug!“
H.S.
Quelle: Presse/iaa.de
Ansprechpartner: Eckehart Rotter
VDA
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