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Home : buecher : rezensionen : Buchrezensionen: Sonnensprung,Die Wege der tausend Erinnerungen,Der legale Weg,Tribüne Ruhrgebiet,Grandstand Ruhr,Marvin Hai & Lilli

Buchrezensionen: Sonnensprung,Die Wege der tausend Erinnerungen,Der legale Weg,Tribüne Ruhrgebiet,Grandstand Ruhr,Marvin Hai & Lilli

ONGURU - Buchrezension:

Sonnensprung
Birgit Oldenburg


Dr. Verena Liebers, Bochum
 
Eine Anthologie ist eine Sammlung. Sammeln kann man viel, wenn man genügend Fleiß mitbringt. Eine Anthologie ist aber auch eine Auswahl. Um auszuwählen, muss man eine Idee haben und Fingerspitzengefühl. Birgit Oldenburg beweist beides und macht damit den einfachen Sammelband zu einer ausgewählten Lektüre, die sich lohnt. Ihre Idee umreißt sie schon in den ersten zwei Zeilen durch ein Zitat: Von den Chinesen könnten wir derzeit viel lernen. Sie haben für Krise und Chance dasselbe Schriftzeichen (Weizsäcker). Krisen und Schicksalsschläge als Chancen zu begreifen, auf den Sonnenaufgang nach jeder noch so dunklen Nacht zu hoffen, ist ein Motto dieses Buches. Dabei taucht das Licht der Hoffnung nirgends lärmend oder schlagartig auf. Vielmehr ist es ein leises Beginnen, wenn etwa Elsbeth Jahns vom Hunger, den strafenden Eltern, dem Bombenkeller erzählt und dabei in ihrer schnörkellosen Sprache kein überflüssiges Wort hin zu fügt. Da hat der Leser die Chance, Zeiten des Grauens mitzuerleben und befindet sich schließlich doch vergnügt mit Else beim Kochunterricht. Plötzlich sitzt man da und lächelt, obwohl man gerade erst von so viel Not gelesen hat. Hier teilt sich unmittelbar mit, dass es vor allem die kleinen Augenblicke sind, die ein Schicksal in eine Chance verwandeln.
Symbolisch für das ganze Buch ist auch die Geschichte von Herrn Wunderlich.
„Erzählen kann man viel, doch rühren nur durch die Wahrheit“ wird da gesagt. Tatsächlich haben die Autoren alle nicht nur irgend etwas erzählt, sondern sie haben wirklich etwas zu sagen gehabt. Und wie überall wo gute Literatur entsteht, ist es dabei nicht wichtig, ob die Ereignisse sich wirklich so zugetragen haben, wie sie berichtet werden. Wichtig ist, dass auf einer tieferen Ebene eine Wahrheit in den Sätzen steckt, die dann den Leser anrührt.
Oldenburg bleibt aber nicht bei den Geschichten stehen, die einen gelungenen Weg aus der Dunkelheit beschreiben. Sie hat auch solche Texte aufgenommen, die schildern wie Hilflosigkeit und Schmerz empfunden werden, ohne dass eine wirkliche Besserung eintritt. Zeuge einer Vergewaltigung sein, nicht geholfen haben. Miterleben wie das Opfer seelisch stirbt und dabei selber sterben. Dalbergs „Bocksgesang“ liegt schwer im Magen und ein wirkliches Happy end bleibt aus. Aber gerade durch die Auswahl solcher Erzählungen bleibt Oldenburg ihrem Motto auf sehr ehrliche Weise treu: Chancen bestehen selten aus Glücksfällen, häufig aus der Erkenntnis, dass der Mensch das Leben eben erträgt und wagt, obwohl es so schwer ist.
Ein Problem teilt die Anthologie allerdings mit ihresgleichen: Die Vielzahl der Geschichten und Stilrichtungen stoppt den Lesefluss. Man braucht Lesepausen, um sich neu zu orientieren und auf den nächsten Beitrag einzulassen. Aber genau darin liegt natürlich auch eine Chance: Keine Konsumware, sondern etwas zum pausieren und nachdenken. Etwas, das weit über die reine Lesezeit hinaus begleitet.

                                         



Rezension
Die Wege der tausend Erinnerungen
Autor: Ralph Müller

ISBN 3-8311-3520-7
141 Seiten, Hardcover
Rezension von Tanja Schröder
Worin liegt die Schönheit unserer Welt, die der Autor dieses Buches auf so ganz eigene Art betrachtet? Im Kleinen liegt sie, im Unscheinbaren. Denn dort harrt das wahrhaft Kostbare darauf, entdeckt zu werden. Dort tun sich dem Leser, der die Welt durch Ralph Müllers Augen betrachtet, ganz neue Ansichten auf. Jede Geschichte ist eine Blüte, die sich dem Leser zutraulich und einladend öffnet. Er muss sie nur betrachten und in ihrer Einzigartigkeit verstehen wollen. Oft fürchten wir uns vor dem Neuen und verkriechen uns in der Stube unserer Gewohnheiten. Doch Ralph Müllers Geschichten ermutigen, hinauszugehen und die Umwelt eingehender in Augenschein zu nehmen. Die Sicht in neue Bahnen gelenkt und den Schleier der Gewohnheit von den Augen gewischt, gewinnt zuvor als Schattenriss Wahrgenommenes nach Lektüre dieser in einem Band vereinten 15 Erzählungen an Klarheit und besonderer Bedeutung. Auf einmalige Art und Weise stehen in den Geschichten Menschen, Natur, Erinnerung mit Gegenwart im Dialog mit- und zueinander. Der Autor bedient sich dabei einer von Klischees unbelasteten Sprache, um Phantastisches in Worte zu fassen und Alltägliches in ein verzaubertes Prachtgewand zu kleiden und um tiefgründig Philosophisches leicht verständlich auszumalen. Übersinnliches findet sich - oder ist es nur allzu sinnlich? Wahrgenommen von Sinnen, die verschüttet sind und nur darauf warten, geweckt zu werden? - in beinahe jeder Geschichte. Elfen, Lichtgestalten, Visionen: Helfer, die verdeutlichen, erklären und trösten. Ihr Auftreten bekräftigt den Grundton dieses Buches, nämlich die verborgene Schönheit, das Wesen, das Herz und die wahrhaftige Qualität des Augenblicks und der Natur zu entdecken. Um es frei nach Antoine de Saint-Exupery zu sagen: Man sieht nur mit dem Herzen gut! Zum Beispiel in der märchenhaften Erzählung "Elfenreigen", in der die Erlebnisse des jungen Sebastian zutiefst berühren. Hier verliert der Tod seinen Schrecken. Aber was ist mit dem Leben, das noch viel beängstigender sein kann? Ralph Müller zeigt auf, wie man gestärkt auch die schwierigsten Windungen des Lebenspfades meistern kann. Als roter Faden zieht sich die Betrachtung der Natur durch die Geschichten. Erinnerungen, wie schon der Titel des Buches verrät, sind der Quell aus dem die Betrachtungen der Charaktere in den Geschichten schöpft. Erinnerungen an die Großmutter, die der Natur noch so stark verbunden war, Erinnerung an die Kindheit, Erinnerungen aller Art und wie wir sie vielleicht alle kennen entfalten sich wie ein Bilderreigen. Nicht nur entfernte, verblassende Blitzlichterinnerung, sondern intensiv gefärbtes Gedenken. Vergänglichkeit mischt sich mit hoffnungsvollem Erblühen, das an die Kraft der Erde gemahnt, die im Übermaß um uns herum zu finden ist und nur allzu oft unbeachtet bleibt, weil wir sie in aller Eile und vor lauter Vernunft zu missachten gelernt haben.
Halten wir aber inne und lernen neu, eben jene Energien zu respektieren und zu nutzen, uns also als Teil dieses einmalig fein abgestimmten Kreislaufes zu erkennen, gewinnen wir auch das zurück, wozu das Leben geschaffen ist: Freude und zärtliche Dankbarkeit. Wunderbares Beispiel dafür ist "Novembererinnerung", wo ein Schriftsteller geplagt von der Schreibblockade hinausgeht in die kühle, feuchte Herbstlandschaft, welche ihm Inspiration schenkt und der er freudig als Instrument dient: Er dachte an die weißen Blätter zu Hause, aus denen er eine Geschichte herauszaubern wollte und lächelte. Lächelte wissend um die Geschichte auf der Microkassette, die ihm der Novembermorgen diktiert hatte. "Die Wege der tausend Erinnerungen" ist ein starkes Erstlingswerk in dem Ralph Müller die Hürden, welche jeder Autor nehmen muss, mit Bravour meistert. Seine Sprache ist bildhaft ohne selbstverliebt oder Adjektiv überladen zu sein, die Charaktere überzeugen durch gefühlvolle Ausarbeitung und geschickt angewandte Metaphern und Aphorismen prägen seinen Stil. Die Titelgeschichte zum Beispiel beginnt mit der Begegnung zweier Menschen, einem alten und einem jungen Mann, die rein oberflächlich kaum Gemeinsamkeiten aufweisen, doch ist jeder zu seiner Zeit ein Neuankömmling wie die Schwäne auf dem See, an dem die zwei Männer zusammentreffen. Im Gespräch tauschen sie Erfahrungen aus und erkennen wie vieles doch oft unter dem Augenscheinlichen verborgen liegt.
Eine besonders eindrucksvolle Passage ist für mich: "Ich weiß jetzt, was Sie in Ihrem begnadeten Leben immer weiter trieb (...) Es sind die Wege der tausend Erinnerungen, die wir in der Zeit unserer unzähligen Leben gehen. Die wir ahnungslos mit guten und schlechten Taten pflastern. Um sie irgendwann noch einmal aufmerksam zu beschreiten. Da am Ende des Weges der große Preis auf uns wartet. Die Vollkommenheit. Das Ebenbild Gottes." Nicht den großen, ausschweifenden oder gar Action geladenen Begebenheiten widmet sich dieses Buch, sondern sanfter, leiser Betrachtung auf 141 Seiten, die nie langweilig werden, zu neuen Gedankengängen anregen und Lebensfreude aus dem Winterschlaf wecken. "Die Wege der tausend Erinnerungen" ist ein wunderbares Buch für einen Schmökernachmittag, dem mit Sicherheit noch weitere folgen werden, weil das Buch dazu verführt, es immer wieder zur Hand zu nehmen, darin zu lesen und Kraft zu tanken.    zurück zum Autor...

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Rezensionen
zum Buch: DER LEGALE WEG
Rainer J. Hocher



Für die heutigen Schüler und Studenten sind sie Geschichte: die Ereignisse 1988/89, die zur 'Wende' führten. Sie haben nicht die Bilder vor sich: die Ausreisenden über Ungarn, Prag, die Öffnung der Mauer, der Aufbruch vieler in den Westen...
In R. J. Hochers Roman- Tagebuch geht es um das Lebensgefühl derer, die dem DDR System, dem 'real existierenden Sozialismus', kritisch gegenüber standen, es geht um individuelle Erfahrungen, eingebettet ins Kollektive. Dieses Tagebuch enthält in Kollageform Erfahrungen, Meinungen, Dokumente, Gedichte, Briefe.
Die sachliche Wiedergabe überwiegt. So wird der Eindruck von Authentizität verstärkt. In den amtlichen Schreiben der DDR Behörden kann man keine lyrische Sprache erwarten. Anders, wenn es um persönliche Beobachtungen des Autors geht, der bereits in mehreren Bänden als Lyriker hervor getreten ist. Bei der Schilderung von Geschehnissen im eigenen Garten wird die Sprache rhythmisch, bildhaft, manchmal metaphorisch."Steinharter Boden zeigt Risse. Der Wurm steckt tiefer."
Wie tief der Wurm- nun bezogen auf das politische System- 'steckt', erfahren wir aus der Sicht eines Facharbeiters und Familienvaters, dem der Sozialismus nicht gleichgültig ist, der aber die Worthülsen der Machthaber an der 'real existierenden' Wirklichkeit misst.
Immer wieder wird Gefühl des Eingesperrtseins( Die Reden Honeckers vom antifaschistischen Schutzwall greifen nicht mehr) thematisiert. Immer wieder berufen sich Ausreisewillige auf die KSZE(Helsinki) in der die DDR Regierung Freizügigkeit garantiert hatte.

Aus eigener Erfahrung kann der Autor von Missständen bei der Produktion berichten. Kostspieliges Warten auf Geräte, Selbstbedienung am Bau etc. Als schließlich ein Ausreiseantrag gestellt war, wird die Familie Opfer von Bespitzelung. Der Tochter wird die Fortsetzung ihrer Berufsausbildung verwehrt etc.
R. J. Hocher berichtet, legt Teile des 'Legalen Weges' Autorenkollegen zur Beurteilung vor. und druckt die Briefkritiken im Tagebuch ab. Sie enthalten weitgehend keine Beurteilung der Manuskripte nach formalen Gesichtspunkten. Vielmehr kritisieren die Kollegen eine nach ihrer Meinung falsche Sichtweise des Autors, dem u.a. mangelnde Einsicht in den "mörderischen Charakter des Imperialismus" vorgeworfen wird. Auch das sog. Widersprüchliche in der Denkweise wird aufgezeigt. Wie kann jemand, der den Thälmannprozess in Düsseldorf brandmarkt, in den Westen wollen?Aus heutiger Sicht erscheint mir wichtig, dass die Gründe für die mehrfach wiederholten Ausreiseanträge R.J.Hochers nicht in erster Linie in einer möglichen materiellen Besserstellung lagen sondern im Wunsch nach Selbstbestimmung, die in einem Land verwirklicht werden konnte, das nicht, der DDR Propaganda entsprechend, als Ausland angesehen wurde. So führte der "legale Weg" nicht ins imperialistische Ausland, sondern in den anderen Teil Deutschlands.
Individuelles steht neben Kollektivem- gerade diese Spannung macht die Besonderheit des Buches aus. Wie kann der Einzelne sich einer irgendwie gearteten Propagandamaschine entziehen, wie kann er sich eine eigene Position schaffen, eine selbständige Meinung bilden? Um diese Frage und nicht nur um anschaulichen Geschichtsunterricht für nachfolgende Generationen geht es in diesem Roman-Tagebuch.
Das Manuskript lag lange Zeit in einem Bienenstock, wurde später hinter einer Holzwand versteckt und lag dann in Hohen-Stemmen bei Bielefeld auf einer Anrichte. Nun wird es nach 17 Jahren der Öffentlichkeit übergeben. Gut dass dieser Schritt endlich gelungen ist.
Copyright (C) 2006 by Marlies Eifert
Mit freundlicher Unterstützung von Detlef Hedderich und der Pressestelle des Engelsdorfer Verlag Verlags.
Chefredaktion: Detlef Hedderich, Günther Lietz, Michael Drewniok, Alexander Haas, Wolfgang Wieser, Naima Bahssou





                                   Wolfgang Viehweger „Tribüne Ruhrgebiet“     ISBN 3 - 89861- 463 - 8

 



Nach der Lektüre des Buches sitzt man zunächst etwas ratlos da und überlegt, was sich auf den 208 Seiten abspielt. Dann geht man an den Anfang zurück und bemerkt, dass der Schlüssel zur Konzeption die Flüsse sind. Sie symbolisieren Entwicklung und Wandel. Seit 1200 Jahren ist die Geschichte der Städte an der Ruhr und der ehemaligen Dörfer an der Emscher in Bewegung.
Das alte Westfalen zeigt in seinen Innenstädten und Burgen an den Stadträndern noch diese historische Realität. Sie wird verdrängt durch das Industriezeitalter seit 1850. Allerdings ist auch das nur eine Episode, welche gerade zu Ende geht. Die Industriedenkmäler sind inzwischen selbst
museal. Sie haben ihren Bezug zur Gegenwart verloren, werden aber gerade dadurch erhaltenswert wie die Burgen und Schlösser.

Schließlich kommt im Jahr 1900 noch der Fußball hinzu, der mit seinen bescheidenen Kampfbahnen in der Amateurzeit und seinen Riesenarenen in der Profizeit die Entwicklung des Sports in der Flusslandschaft zwischen Ruhr und Emscher weitertreibt. In dem aufwendigen Bildteil wird das eindrucksvoll dokumentiert. Neben dem Renaissance-Schloss in Gelsenkirchen-Buer steht die
Arena auf Schalke und um die Ecke die Zeche Zollverein in Essen-Katernberg, heute Weltkulturerbe und Publikumsmagnet. Diese Beispiele lassen sich in dem Buch mehrfach finden.

In dem knappen Teil über die Reviervereine findet man inhaltlich zunächst nicht viel, was nicht schon veröffentlicht wäre. Dann bemerkt man im Vergleich der Stadtwappen mit den Vereinswappen, der bürgerlichen „Lackschuhvereine“ mit den „Arbeitervereinen“ an den Zechen, dass auch hier alles dem Fluss der Geschichte unterworfen ist. Entwicklung und Strukturwandel sind auch im Sport Markenzeichen des Ruhrgebiets.

Wolfgang Viehweger hat das Buch, um es leserfreundlich zu machen, in zwei Bedeutungsebenen eingeteilt: die eine ist die Information, die andere die Unterhaltung, damit man beim Lesen Spaß hat und lachen kann. Das gilt besonders für die Passage über die Fans im Ruhrgebiet. Bei den Fußballhelden stehen allerdings das Lachen und das Weinen nahe beisammen. An den Spielern
Rahn und Libuda wird gezeigt, wie das Profizeitalter die Helden zu armen Menschen werden lässt, wenn sie ihre Laufbahn beendet haben. In diesem Buch, das von einer neuen Sehweise auf das Ruhrgebiet ausgeht, findet man noch weitere erstaunliche Informationen, z.B. über die Adelsfamilie von Schalke oder die Haimonskinder am Hellweg, die ein Leckerbissen nicht nur für Historiker sind.

Der Klartextverlag in Essen hat mit der Veröffentlichung dieses Buches eine glückliche Hand gehabt. Das Buch wird zur Orientierung der Besucher der Fußball-WM 2006 ein wichtiger Beitrag werden, wie es im Vorwort heißt. Ziemlich sicher dürfte es sein, dass es über das Jahr 2006 hinaus seine Bedeutung als Kompass in dieser Region behalten wird.



Holger Schumacher
Weitere Infos unter www.tribueneruhrgebiet.de


   

Preview: Grandstand Ruhr - History and Football at Ruhr and Emscher.

ruhrgebiet
Wolfgang Viehweger


[10.11.05]
H. Schumacher:
Herr Viehweger, im März 2005 ist Ihr Buch "Tribüne Ruhrgebiet" erschienen. Wann ist "Grandstand Ruhr" fertig, damit die ausländischen Besucher bei der Fußball-WM 2006 wichtige Informationen über das Ruhrgebiet in englischer Sprache erhalten?
W. Viehweger:
Der Verlag Klartext in Essen wird es Anfang Dezember 2005 herausbringen, so dass es in die Planungen des DFB übernommen werden kann. Es gibt, wie Sie wissen, bisher kein Buch zur Stadtgeschichte und Historie der Fußballvereine im Ruhrgebiet auf Englisch.
H. Schumacher:
Welche Zielgruppen sollen bei der Vorbereitung der Weltmeisterschaft mit dem Buch erreicht werden?
W. Viehweger:
Neben den Betreuern des DFB soll es die ehrenamtlichen Stadtführer ansprechen, die Fan-Betreuer der Fußballclubs und auch Schüler und Studenten, welche von den Städten und Vereinen für Mai, Juni und Juli 2006 zusätzlich angeworben werden, um die ausländischen Gäste zu betreuen. Diese WM-Mitarbeiter müssen sich allerdings erst einmal selbst über das schlau machen, was sie dann als Information weitergeben wollen.
H. Schumacher:
Muss nicht der Kreis der Multiplikatoren noch erweitert werden, damit sich die "Gäste bei guten Freunden" wirklich vom ersten Moment an in Deutschland wohl fühlen?
W. Viehweger:
Natürlich sollten auch Taxifahrer und Hotelangestellte in der Lage sein, den Gästen erste Informationen zu geben und ihre Neugier auf Sehenswürdigkeiten zu wecken. Wichtig wäre es auch, dass ein solches Buch wie "Grandstand" in Bahnhofsbuchläden, Flughafenkiosken, Taxizentralen, Hotelrezeptionen u.a. zur Verfügung steht, auch in den Buchläden der Region und den Fan-Shops der Fußballvereine. Die ausländischen Gäste werden nicht den ganzen Tag im Stadion verbringen, sie wollen auch Exkursionen unternehmen und das Ruhrgebiet kennen lernen. Dazu bietet das Buch in Bild und Text viele Anregungen.
H. Schumacher:
Sie wissen, dass ich schon die deutsche Version Ihres Buches intensiv gelesen und rezensiert habe. Wenn ich Sie richtig verstehe, ist die englische Ausgabe so etwas wie der Schlüssel zur Stadtgeschichte und zum Fußball im Ruhrgebiet für Gäste aus fremden Ländern, die zum ersten Mal hierher kommen. Ich werde auf jeden Fall noch im Dezember eine Rezension von "Grandstand" machen und danke Ihnen für das Interview.



 Rezension
Grandstand Ruhr - History and Football at Ruhr and Emscher

Wenn ein Buch in englischer Sprache erscheint, das Titelbild den Union Jack zeigt und dazu eine Fußballtribüne im Gegenlicht, ist das schon etwas Besonderes. Wenn es dann noch zum 80. Geburtstag von Ottokar Wüst am 22. Dezember 2005 herauskommt, dem früheren Präsidenten des VfL Bochum, dann ist das ungewöhnlich.
Aber es wird noch exklusiver: Der Jubilar hat dazu ein Vorwort geschrieben. Auch der Spieler, der seine Karriere beim VfL Bochum begann, nämlich Yildiray Bastürk (jetzt: Hertha BSC Berlin), hat ein Grußwort geschrieben und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung hat ein schönes Bild von der Villa Hügel beigesteuert.
Was hat, wenn man so fragen darf, die Aufmerksamkeit der Herren Wüst und Beitz auf dieses Buch gelenkt?
Es ist nicht nur die Tatsache, dass hier ein Historiker über sein Metier schreibt, die Geschichte von 13 Städten und die Vereinsgeschichte von 9 Fußballclubs im Ruhrgebiet, es sind nicht nur die eindrucksvollen Stadtwappen, sondern es ist die besondere Geste, welche hier zum Ausdruck kommt.
Sowohl Ottokar Wüst als auch Berthold Beitz wissen aus vielen Jahren internationaler Erfahrung, wie man ausländische Gäste empfängt und betreut.

So ist "Grandstand Ruhr", gedacht als kulturelles Begleitprogramm für anspruchsvolle Gäste der Fußball-WM 2006, eine wichtige Orientierung. Das Buch dürfte, und da braucht man kein Prophet zu sein, ein Bestseller werden. Es ist das einzige Buch in dieser Art "für gute Freunde". Außerdem ist es eine "Steilvorlage" für Organisatoren, die sich mehr Gedanken machen als um Zeltdörfer, Großleinwände und bed and breakfast.

Wolfgang Viehweger, Grandstand Ruhr - History and Football at Ruhr and Emscher,
Verlag Klartext, Essen 2005 216 Seiten im Vierfarbendruck, brosch., Preis: 16,90 €

ISBN 3-89861-579-0

Holger  Schumacher

JETZT AUCH IN ENGLISCH ...wolfgang viehweger
   

The Ruhr area, which was shaped by coalmining
and industry, is a

melting pot of over 100 different nationalities where you can hear
lots of different languages. English is one of them. Internationally
operating companies often use English as their business language
and there are thousands of adults who learn English in adult education
centres and language schools. Recently the internet has also
been used to communicate in English. FC Schalke 04 and Borussia

Dortmund were the fi rst football clubs to provide information

in English on their websites. The mother tongue of football is also
English as its origins are in England.However, so far there has not
been any book in English which gives
a comprehensive overview of
the history of the Ruhr area, the
development of its cities and its football
clubs. Grandstand “Ruhrgebiet”
fi lls this gap.
For the journalists and foreign visitors who will come to the Ruhr
area for the World-Cup 2006 it means:
- fast information on cities, football clubs and their tradition,
- no time-consuming research in municipal archives and libraries in
order to obtain background information,
- a course book for cities and sightseeing tours,
- a picture book of the culture in the Ruhr area from the Middle Ages
to the modern age.
The book also provides a friendly welcome to foreign guests and
proves that the Ruhr area is well prepared for them. When they arrive
here in 2006 the book makes orientation easier and increases

their pleasure while staying in the Ruhr area.

ISBN 3-89861-579-0                            zurück zum Autor              


Heidrun-Auro Brenjo
Marvin Hai & Lilli
Auf der Suche nach Spanien
Engelsdorfer Verlag
2006
161 Seiten
ISBN 3939404683
16 Euro


Von Martina Meier
Bei Heidrun-Auro Brenjos Erstlingswerk „Marvin Hai & Lilli – Auf der Suche nach Spanien“ ist es wie bei vielen jungen Autoren. Der Anstoss zu diesem Buch kam aus dem nächsten Umfeld der Autorin, nämlich von Tochter Susan, die eines Tages, vor vielen Jahren, einen angezogenen Fisch mit Hosenträgern malte, der in einer wunderbaren Unterwasserwelt lebte. Heidrun-Auro Brenjo sah das Bild, verliebte sich in den drolligen kleinen Kerl und gab ihm den Namen „Marvin Hai“. Und schon war die Idee zu einer Kindergeschichte geboren.
Nun dauerte es aber noch einige Jahre, bis sie tatsächlich aufgeschrieben wurde. Natürlich erzählte die Autorin immer wieder Kindern aus ihrer Umgebung von dem Fisch, der so ganz anders ist als andere Fische. Sie stieß auf Begeisterung, was ihr Mut machte, das Buch tatsächlich zu verlegen.  „Marvin Hai“ hatte also schon so einiges erlebt, bis er tatsächlich druckfrisch auf dem Tisch lag.
Im ersten Band „Auf der Suche nach Spanien“ erzählt die Autorin, wie sich Lilli, das Menschenmädchen, und Marvin, der Hai, kennen lernen und es ihnen möglich ist, von der einen Welt in die andere zu kommen. Beide drücken Sorgen: Lilli soll nach den Ferien in der Schule von ihrem Urlaub berichten! Aber wie es scheint, verreist sie doch gar nicht mit ihrer Mutter und den Geschwistern, denn dafür ist kein Geld da, seit Papa eine neue Freundin hat und nicht mehr bei der Familie lebt. Und wo ist eigentlich Spanien?
Marvin dagegen hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Bei einem lauten Streit seiner Eltern hat er erfahren, dass er einen zwei Jahre jüngeren Bruder hat. Doch der lebt ja gar nicht gemeinsam mit der Familie! Denn er ist anders! Er hat gar keine Arme und Beine wie Marvin Hai und seine Eltern, sondern Flossen, und lebt deshalb in einem Heim.
Gemeinsam brechen Lilli und Marvin nun auf. Sie wollen sich nicht unterkriegen lassen und ihre Probleme gemeinsam meistern.
Besonders wichtig sind die Themen, die die Dortmunder Autorin und Künstlerin Heidrun-Auro Brenjo in ihrem Buch aufgreift. Es ist eben nicht immer die heile Welt, in der Kinder leben, sondern eine Welt, die auch ihre Probleme birgt – besonders dann, wenn Eltern sich trennen oder mit dem Thema Behinderung und Krankheit konfrontiert werden. Dann ist es eben auch ein Problem, mit dem sich Kinder beschäftigen müssen.
Hinzu kommt, dass Lilli sich in der Tristesse ihres Alltags eine Fantasiewelt schafft, um die Armut und die Verantwortung, die sie als Siebenjährige schon für ihre Geschwister trägt, einmal für kurze Zeit zu vergessen. Wie in einem Buch blättert sie in ihren Gedanken und schafft durch eine große Muschel den Kontakt zu jener Welt, in der Marvin Hai wohnt.
Wer sich zunächst ein Bild von dem Buch machen möchte, der kann ein wenig auf der Internetseite www.marvin-hai.de stöbern. Dort findet er eine Leseprobe, eine Zusammenfassung des Textes sowie, was sehr zu empfehlen ist, eine Hörprobe des Buches. Heidrun-Auro Brenjo, die auch Songs für ihre Band „Symbioose“ schreibt, arbeitet derzeit inzwischen bereits an dem dritten Band der Marvin Hai-Reihe. Die Illustrationen und die Umschlaggestaltung stammen von Tochter Susan Brenjo und Daniel Krone.
 
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Marika Krücken
Geschichten von Siebenpünktchen
Eine ungewöhnliche Freundschaft
Autorenverlag Artep
2005
69 Seiten
ISBN 3936544581
8,95 Euro


Von Martina Meier
Dass es nicht immer die Bücher der großen Verlage sein müssen, die Kinder ansprechen, beweist das erste Buch der Autorin Marika Krücken, das jetzt im Autorenverlag Artep erschienen ist. „Geschichten von Siebenpünktchen“ hat die Kölnerin ihr Buch genannt – nach ihrer Hauptfigur, dem frechen kleinen Marienkäferkind Siebenpünktchen. In fünf kurzen Erzählungen, die Marika Krücken zudem noch selbst farbenfroh  illustriert hat, erlebt das siebte von insgesamt acht Kindern der Familie Marienkäfer so manches Abenteuer – beispielsweise eine Reise zum Mond. Auch ganz ungewöhnliche Bekanntschaften schließt der kleine, liebenswerte Kerl, denn wer kann schon einen Specht zu seinen Freunden zählen.
Marika Krücken liebt die Natur und die Kunst, beides hat sie in ihrem Erstlingswerk zum Ausdruck gebracht, das sich als Vorlesegeschichte schon an Kinder ab fünf Jahren wendet, durch die große Schrift aber besonders für Leseanfänger geeignet ist.
Kindererprobt ist das Buch von Marika Krücken auf jeden Fall. Schon ihrer heute 18-jährigen Tochter erzählte die Autorin die Geschichten von Siebenpünktchen, als diese noch klein war. Und auch Patenkinder hörten mit Begeisterung von den Abenteuern des kleinen Marienkäfers, der mit seinen sieben Punkten auch als Glücksbringer fungiert.
 „Die Geschichten entstanden aus der Beobachtung der Kinder heraus, so wie sie ihre kleine Welt entdecken und versuchen, sich zurecht zu finden“, berichtet Marika Krücken. Sie greift in ihrem Buch Themen wie Freundschaft, nein sagen können, Hilfsbereitschaft und das Akzeptieren von anderen Lebewesen auf.
Ein zweites Kinderbuch hat die Kölnerin bereits fertig, es trägt den Titel „Traumzeit-Geschichten: Winterträume“ und soll Jahresende auf dem Büchermarkt erscheinen. Außerdem, so verrät die heute 53-Jährige, arbeitet sie derzeit an einem heiteren Familienroman. Wer mehr über Marika Krücken erfahren möchte, findet Informationen auf ihrer Internetseite www.traumzeit-geschichten.de.vu.