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Home : events_veranst : Canossa 1077 – Erschütterung der Welt

Canossa 1077 – Erschütterung der Welt

Paderborn - LWL

Canossa 1077 – Erschütterung der Welt
(21. Juli bis 5. November 2006 in Paderborn)


Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) informiert:
Steinerne Zeugen für große Kunst und tiefen Glauben
Erster Kunsttransport für Canossa-Ausstellung kommt aus Cluny
Paderborn. Der Transporter ist unscheinbar, doch sein Inhalt hat es in sich: Fast 1.000 Jahre alte steinerne Zeitzeugen einer großen Epoche, wohl verpackt in einem guten Dutzend Spezialkisten. Als am Freitag (9. Juni) der Wagen der Kunsttransporteure vor dem Museum in der Kaiserpfalz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hält, ist die Anspannung des Ausstellungsteams spürbar. Der Countdown für das Mammutprojekt „Canossa 1077 – Erschütterung der Welt“ in Paderborn hat begonnen. Noch 43 Tage bis zur Eröffnung der großen Ausstellung zur Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik. Am 21. Juli ist es so weit, bis dahin werden rund 700 Ausstellungsstücke aus zehn Ländern in Paderborn eintreffen.

Der erste Transport kommt aus Frankreich, aus dem mächtigsten Kloster des Mittelalters, aus Cluny in Burgund. Es sind Reliefplatten, Kapitelle, die einst einen Kreuzgang zierten, Fußbodenplatten und Fragmente der gewaltigen Chorschranken, hinter denen im 12. Jahrhundert bis zu 400 Mönche Platz fanden.

Spirituelles Zentrum des Mittelalters
Cluny wurde im Jahre 909/910 in der Diözese von Mâcon gegründet. Der Konvent war schon bald Ausgangspunkt einer umfassenden Erneuerungsbewegung des Mönchtums, der sich zahlreiche Klöster anschlossen. Großabt Hugo begann 1088 in Cluny mit dem Bau der bislang größten Kirche der Christenheit. Die enormen Abmessungen der prachtvollen Anlage wurden erst mit dem Bau des Petersdoms in Rom übertroffen. In den Wirren der Französischen Revolution wurde das Kloster Cluny zerstört. Allein das fünfschiffige Langhaus des Kirchenbaus war mehr als 180 Meter lang, besaß einen Chorumgang mit fünf Kapellen, zwei Querschiffe, eine große dreischiffige Vorkirche und nicht weniger als sechs Türme. Die gewaltige Kirche - von Beginn an mit mächtigen Steingewölben geplant - war in der Zeit des späten 11. Jahrhunderts ein Novum. Ihr fünfschiffiger Grundriss erinnerte an die großen frühchristlichen Basiliken Roms und auch die Gestaltung der Kapitelle und Pilaster knüpfte bewusst an antike Formen an.

Ein kämpfender Engel und der leibhaftige Zorn
Die Zerstörung im 18. Jahrhundert haben nur wenige Stücke überlebt. Doch die noch erhaltenen Fragmente lassen erahnen, welche meisterhaften Steinmetze und Baumeister hier am Werk waren. Die Paderborner Ausstellungsmacher versprechen eine imposante museale Inszenierung, mit der der Geist von Cluny in der großen Aula des Museums in der Kaiserpfalz zu neuem Leben erwachen soll. Und es ist für alle ein spannender Moment, wenn die Überreste des Engels mit dem Schwert vorsichtig aus der Transportkiste gehoben werden. So klein diese Kunstwerke auch sind, sie haben eine faszinierende Ausstrahlung.



Imposant: die Darstellung der Personifikation des Zorns, die damals Teil eines Säulenkapitells war. Der Stolz der Wissenschaftler, die es durch ihre Kooperation mit den französischen Kollegen erreicht haben, dass so viele Stücke wie noch nie Cluny verlassen durften, sind Fragmente vom Grab des heiligen Hugo. Der einflussreiche Abt lenkte unglaubliche 60 Jahre lang die Geschicke des Klosters und beeinflusste mit politischer Klugheit die Geschichte der Christenheit. Teile seiner Grabskulptur werden in Paderborn erstmals zusammengesetzt und nach Abschluss der Ausstellung zu den wichtigsten Exponaten im Museum von Cluny zählen.

Die Stadt, das Erzbistum Paderborn und der LWL zeigen die Ausstellung „Canossa 1077“ vom 21. Juli bis zum 05. November 2006 gleichzeitig im Diözesanmuseum, im LWL-Museum in der Kaiserpfalz und in der Städtischen Galerie.



Das Diözesanmuseum am Dom wurde nach Plänen von Prof. Gottfried Böhm, Köln, in den Jahren 1968-75 errichtet. Das Museum beherbergt eine umfangreiche Sammlung sakraler Kunst des 10. bis 20. Jahrhunderts, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland zählt und Kunstwerke von Weltgeltung besitzt. Die Sammlung umfaßt ca. 6.000 Exponate, von denen etwa 1.000 in den von 1991-93 völlig neu gestalteten Schauräumen gezeigt werden.

Von herausragender Bedeutung ist die Madonna des Paderborner Bischofs Imad (1051/1058), eine der ältesten Darstellungen der thronenden Madonna in der abendländischen Kunst. Die beachtenswerte Skulpturensammlung umfasst neben mittelalterlichen Bildwerken auch hervorragende Beispiele westfälischer Barockskulptur wie den Libori-Festaltar von 1736 aus dem Paderborner Dom. In der Schatzkammer des Museums, die sich in den mittelalterlichen Gewölben des ehemaligen Bischofspalastes befindet, werden liturgische Geräte, Reliquiare und andere bedeutende Werke kirchlicher Schatzkunst präsentiert. Besondere Erwähnung verdienen die beiden Tragaltäre des Rogerus von Helmarshausen aus dem frühen 12. Jahrhundert - Meisterwerke romanischer Goldschmiedekunst - und der vergoldete Silberschrein des hl. Dom- und Bistumspatrons Liborius von 1625/27. Kostbar für den liturgischen Gebrauch bestimmte Textilien, Gemälde auf Holz und Leinwand, Bronzegerät, illuminierte Handschriften und ein reicher Fundus an religiöser Volkskunst runden den Bestand ab.

Das Museum veranstaltet Wechselausstellungen zu wichtigen Themen aus allen Bereichen christlicher Kunst und Kultur. Daneben bietet es ein reichhaltiges museumspädagogisches Programm (Führungen, Kurse, Vorträge), um Zugänge zu dieser heute oft fremd anmutenden Welt zu eröffnen.



Holger Schumacher
Quellen: www.lwl.org
Paderborn Cityportal