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Home : hundkatzem : Amurtiger : Der Amur-Tiger

Der Amur-Tiger

Das schönste Gesicht des Winters

Das schönste Gesicht des Winters hat sicherlich der Sibirische Tiger, den man auch Amur-Tiger nennt, nach dem Amur, dem beherrschenden Fluss seines Verbreitungsgebietes. "Sein Brüllen lähmt die Menschen und bringt sie einer Ohnmacht nahe. Er ist wie ein lautloser Geist", beschreiben russische Forscher die Katze, "seine Bewegungen sind ruhig und würdevoll. Wenn Du ihn siehst, zittern Deine Hände. Er ist einfach zu schön." (Lothar Schillak und Michael Miersch: Lasst mir meine Taiga!) Diese prächtigsten Katzen der Erde schleichen nördlich von Wladiwostok, am südöstlichen Rand der sibirischen Taiga durch die Wälder. Amur-Tiger sind nicht nur besonders schön, sondern auch besonders beeindruckend. Der Amur-Tiger ist die größte Raubkatze der Welt: Er kann fast vier Meter lang werden und bis zu 350 Kilogramm schwer. So viel Gewicht kann sich nicht einmal der König der Löwen anfressen: Die größten Löwen schaffen nur schlappe 250 Kilo.

Große Katze - großer Hunger

Klar, dass so eine große Katze wie der Amur-Tiger auch mächtigen Hunger hat. Amur-Tiger bevorzugen Wildschweine. Da es davon inzwischen nicht mehr so viele gibt, halten sie sich an Rot- und Sikahirschen schadlos. Wenn ein Tiger so richtig Hunger hat, verschlingt er schon mal 25 Kilogramm Fleisch pro Mahlzeit. Experten schätzen den täglichen Energiebedarf auf etwa acht bis neun Kilogramm Fleisch. Also muss ein Tiger im Jahr zwischen 50 und 70 Hirsche schlagen. Dabei durchstreift er auf der Jagd Reviere von mehreren tausend Quadratkilometern. Dem Hirschbestand können die Tiger so nicht schaden. Hat ein Tiger seine Beute erwischt, geht er damit sparsam um, versteckt sie, damit er noch länger davon zehren kann.

Dichtes, langes Fell

Abgesehen von seiner imposanten Größe und seinem imposanten Appetit, kennzeichnet den Amur-Tiger seine etwas breitere Schnauze und vor allem sein Pelz. Die Haare können am Rücken bis zu fünf Zentimeter lang werden und das Winterfell sogar bis zu elf Zentimeter an Hals, Brust und Bauch. So ist der Tiger gut geschützt vor den eisigen Temperaturen seiner Heimat. Übrigens deuten fossile Funde darauf hin, dass sich die Tiger ursprünglich in Sibirien entwickelten und sogar am nördlichen Eismeer lebten. Erst später breiteten sie sich weiter Richtung Süden bis nach Malaysia aus. Die heute noch existierende nördlichste Form lebt im Amur-Gebiet, weshalb der Sibirische Tiger auch Amur-Tiger heißt. Die Amur-Region liegt an der Grenze zu China.

Tigerlaute und Duftspuren

Amur-Tiger sind anspruchslos und anpassungsfähig. Sie brauchen Wasser, sowie genügend Nahrung und Deckung für die Jagd. All das bieten die Nadelholzwälder der russischen Taiga. Gut getarnt hört man die Tiger eher brüllen, als dass man sie in freier Wildbahn sieht. Abgesehen von diesem mächtigen Brüllen beherrschen sie aber noch ein besonders tiefes Knurren, das wir Menschen gar nicht wahrnehmen können. Es ist ein Infraschallton, der noch acht Kilometer entfernt von anderen Tigern wahrgenommen werden kann. Die wissen dann sofort: Da zeigt einer, wer Chef im Revier ist. Praktisch, wenn man zum Einzelgängertum neigt und riesige Gebiete bewohnt! Den Rest der Gebietsmarkierung übernehmen Duftmarken, die die Tiger auf ihren Wanderungen an auffälligen Stellen hinterlassen und damit ihren Artgenossen zeigen: Besetzt!

Hart im Nehmen

Amur-Tiger sind Katzen der Kälte: Sie ertragen Winter mit Temperaturen um -50 Grad Celsius. Höhere Schneelagen als 50 Zentimeter passen ihnen jedoch nicht, denn das Fortkommen in so hohem Schnee behindert sie zu sehr. Die Winter sind hart: Amur-Tiger halten keinen Winterschlaf wie Bären, sondern müssen auch bei den eisigsten Temperaturen nach Beute jagen. Eine dicke Unterhautfettschicht von etwa fünf Zentimetern sorgt neben dem dichten Pelz für eine konstante Körpertemperatur. Ein zäher Bursche, dem jedoch längst das Leben schwer gemacht wird. Sein Refugium schrumpft, das Futter wird knapp und zahlreich Wilderer sind ihm auf den Fersen.

Erziehung? Frauensache...

Durch die knappe Nahrung, werden die Reviere der Tiger immer größer. Das wirkt sich auch auf das "Familienleben" aus: Bei der riesigen Reviergröße kann es sich ein Männchen gar nicht leisten, mehr als zwei Weibchen zu "beaufsichtigen". Amur-Tiger leben in Kleinfamilien. Was bedeutet, dass sich ein Tigermännchen und zwei Weibchen ein Revier von etwa 500 bis 1000 Quadratkilometern teilen. In Grzimeks Enzyklopädie der Säugetiere heißt es: "Zuweilen streifen einzelne Tiere aber auch über 2000 bis 3000 Quadratkilometer umher." So leben selbst in Schutzgebieten wie dem Sichote-Alin-Schutzgebiet nur wenige Tiere, bei 4000 Quadratkilometern Ausdehnung ist nur Platz für eine Tiger-Familie.
Grundsätzlich sind Tiger Einzelgänger, keine "Familienmenschen". Die Männchen plagen sich nicht lange mit Vaterpflichten ab, sondern verschwinden gleich nach der Paarung wieder. Erziehung ist also Frauensache. Ungefähr 20 Monate betreuen die Weibchen ihre meist zwei bis vier Jungen.

Bedrohung durch den Menschen

Amur-Tiger haben keine natürlichen Feinde. Allenfalls unbeaufsichtigte Jungtiere fallen schon mal einem gefräßigen Bären zum Opfer. Sind Amur-Tiger erst ausgewachsen, verdrücken sich eher die Bären. Begegnen sich Bär und Tiger beispielsweise an einem gerissenen Stück Wild, tritt vorsichtshalber der Petz den Rückzug an. Also: In freier Wildbahn hat ein ausgewachsener Amur-Tiger nichts zu befürchten. Jedenfalls nichts vor vierbeinigen Mitbewohnern.
Einzig den Menschen muss er fürchten. Und zwar so sehr, dass er der Ausrottung nur knapp entging. 1940 war es fast soweit: Nur noch 40 Tiere sollen zu dieser Zeit in Freiheit gelebt haben.

Schlechte Zeiten

Dank der Schutzbemühungen der ehemaligen Sowjetunion und dem World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland ist die Zahl der Amur-Tiger wieder auf um die 400 angewachsen. Dennoch: Der Verlust ihres Lebensraumes bedroht auch diese Tiger. Der Holzschlag in der Taiga geht weiter. Etwa 13 Prozent der russischen Tiger-Lebensräume sind bereits vernichtet, wirksame staatliche Kontrollen gegen diesen Raubbau an der Natur fehlen. Auch die Schutzgebiete der Tiger sind zu klein. Zudem überschneiden sich die Lebensräume von Tiger und Menschen. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse verleiten die Menschen zur Wilderei: Sie jagen die Wildschweine und dezimieren die Rot- und Sikahirsche. Folglich müssen die Großkatzen, um satt zu werden, immer größere Gebiete durchstreifen, was zusätzlichen Stress bedeutet. Und so, schreibt Christian Carganico, führen die Naturschützer "einen Zweifrontenkrieg im Amurgebiet: Gegen Wilderer, die Tiger jagen, und gegen Wilderer, die den Tigern die Beute wegschießen."

Tiger und Tinkturen

Es gibt einen Grund für die Wilderei auf Tiger: Die 1000-jährige Tradition der chinesischen Medizin. "Fast allen Körperteilen der Tiger werden Heilkräfte zugeschrieben: vor allem Knochen, aber auch Zähne, selbst Hoden, Augäpfel und Barthaare gelten als lindernd gegen Kopfschmerzen und Erbrechen oder Epilepsie und Rheumatismus. ...Es wird geschätzt, dass zeitweise mehr als eine Milliarde Menschen Tiger-Arzneien angewendet haben", berichtet der WWF, auch in den USA oder Australien, mit Schwarzmarktpreisen von bis zu 250 US Dollar pro Kilo Tigerknochen. Und das geschieht, obwohl die Ureinwohner im Osten Russlands einst glaubten, wer Amba, den Herrscher der Taiga tötet, bringe Unglück über sich und seine Nachkommen.

Ein Gott, ein Geist, ein König

... all das war der Amur-Tiger einst für die Menschen in seiner Heimat. "Kaum zu glauben, dass so ein Tier in Bedrängnis gerät", schreiben Lothar Schillak und Michael Miersch. Immerhin, es gibt wieder ein paar hundert Tiere. Sicher auch dank der intensiven Bemühungen des WWF Deutschland, der seit 1993 die Anti-Wilderer-Brigaden unterstützt. Vielleicht helfen auch die Umweltbildungsmaßnahmen des WWF, die versuchen, an den Wurzeln der Wilderei anzusetzen: Aufklärungsarbeit für die einheimische Bevölkerung, von Kindern bis zu ortsansässigen Bauern, sollen den Menschen den Tiger als einen schützenswerten und faszinierenden Teil ihrer Heimat näher bringen. Das lernen die Kinder nun auch in den Schulen.
Gehen jedoch Jagd und Kahlschlag in der Taiga weiter, wird es eng für den König der Taiga. Noch kann keine Entwarnung gegeben werden.

Pate für den Sibirischen Tiger

Mit der Bitte "Werden Sie Pate für den Sibirischen Tiger" wirbt der WWF auf dieser Seite um finanzielle Unterstützung. Weiter heißt es: "Der WWF setzt sich für Schutzgebiete, gegen die Wilderei und für Aufklärung ein. Helfen Sie mit, einen einzigartigen Lebensraum zu schützen und die größte Katze der Erde vor dem Aussterben zu retten. Schließen Sie eine feste Freundschaft mit dem Sibirischen Tiger."

gez. B.Ru
Quelle: Planet Wissen