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Home : News rund um den Globus : 2006 : Freitag 13. Pechtag oder Glückstag - Aberglauben und Wahrheit -

Freitag 13. Pechtag oder Glückstag - Aberglauben und Wahrheit -

Am Freitag dem 13. bleiben Abergläubische am besten gleich im Bett, als glückbringen-des Gegenmittel können ihnen allenfalls Schornsteinfeger helfen, wie diese beiden, die um1930 in Enningerloh-Westkirchen (Kreis Warendorf) den Kamin reinigten.



Am Freitag dem 13. bleiben Abergläubische am besten gleich im Bett, als glückbringen-des Gegenmittel können ihnen allenfalls Schornsteinfeger helfen, wie diese beiden, die um1930 in Enningerloh-Westkirchen (Kreis Warendorf) den Kamin reinigten.
Foto: LWL

LWL: Freitag der 13. gilt seit 50 Jahren als Pechtag
Westfalen (lwl). „Nicht daran denken“, „auf keinen Fall autofahren“ oder „am besten erst gar nicht aufstehen“. Mit diesen Strategien versuchen am kommenden Freitag abergläubische Zeitgenossen über den Tag zu kommen. Denn dieser Freitag fällt auf den 13. Dr. Lutz Volmer, Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster, hat sich mit der Frage beschäftigt, warum so viele Menschen sich vor dem Freitag, den 13. fürchten.

Schon einzelne Wochentage für sich gelten als Glücks- oder Pechtage: „Die Bedeutung, die ein bestimmter Wochentag für die Menschen innerhalb einer Region hatte, war jedoch sehr unterschiedlich: So galt der Freitag noch um 1930 im nördlichen Deutschland als Glückstag, der sich besonders zum Heiraten eignete. In der Mitte und im Süden Deutschlands glaubte man dahingegen eher an die Unglück verheißende Wirkung dieses Wochentags“, weiß Volmer. Übrigens sollen auch Napoleon und Bismarck an die Unglück verheißende Wirkung des Freitags geglaubt haben: Napoleon hat keine Schlacht an einem Freitag geschlagen und Bismarck an diesem Tag keinen Vertrag geschlossen.

Der Grund für den Glauben, dass einzelne Tage ein größeres Glücks- oder Unglückspotential hätten als andere, liegt wahrscheinlich bei dem Phänomen der „verworfenen Tage“. „Dies waren Tage, die besonders viel Unglück bringen sollten. Sie werden in zahlreichen mittelalterlichen Handschriften erwähnt und wurden bis ins 20. Jahrhundert hinein überliefert, wobei sich die Bedeutung einzelner Tage im Laufe der Jahrhunderte durchaus auch umkehren konnte“, erklärt der Experte der Volkskundlichen Kommission für Westfalen.

Der Glaube an eine Zahlen-Symbolik ist noch älter: Bereits die frühen Hochkulturen kannten ein ausgefeiltes Rechensystem. In jedem Zahlensystem sind einige Zahlen unweigerlich wichtiger als andere: Beim Dezimalsystem (wie wir es heute verwenden) ist es die zehn und beim Zwölfersystem eben die zwölf, die dementsprechend eine besondere Bedeutung hat: Es gibt zwölf Monate, zwölf Apostel, zwölf Tierkreiszeichen und das Zwölf-Götter-Regiment der Griechen und Römer. „Die Dreizehn überschreitet das geschlossene Zwölfersystem und ist als Primzahl nur durch eins und sich selbst teilbar, schon dadurch kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Deshalb wird ihr eine überschreitende Kraft nachgesagt, die durchaus nicht immer negativ sein muss“, sagt Volmer. So gelte die 13 in der jüdischen Tradition als eine ausgesprochene Glückszahl und als ein Symbol Gottes, weil sie über die zwölf regiere. Bei den Forschungen zum Atlas der deutschen Volkskunde in den 1930er Jahren habe sich herausgestellt, dass die 13 als Unglückszahl zwar weithin bekannt war, dass es aber auch zahlreiche Belege gäbe, in denen die 13 als Glückzahl bezeichnet wurde, so der LWL-Volkskundler weiter.

„Interessanterweise wurden die Wochentage und die Zahlen lange Zeit unabhängig von einander als glücksbringend oder vom Pech bedroht betrachtet. Erst in den 1950er Jahren begann man diese beiden Vorstellungswelten zu verknüpfen“, hat Volmer beobachtet.

1970 steigerte sich die abergläubische Angst vor dem Freitag am 13. zu einer kleinen Hysterie: Die später verunglückte Raumfähre Apollo 13 war ausgerechnet an einem Freitag, den 13. gestartet. Außerdem enthielten angeblich fast alle Daten, Namens- und Zeitangaben bei dieser Weltraummission die Zahl 13 direkt oder als Quersumme.

Alles Zufall? Die nüchternen Zahlen sprechen da eine andere Sprache: Fällt ein Freitag auf den 13. passieren statistisch gesehen 15,6 Prozent mehr Unfälle als an anderen Freitagen. Die Psychologie macht dafür den festen Glauben vieler Zeitgenossen an Glück oder Unglück verantwortlich. Vielleicht bleibt man am Freitag also doch am besten im Bett, denn warum es kracht ist doch letztendlich egal.


Dr. Lutz Volmer, LWL-Volkskundler.
Foto: LWL