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Home : onguruklaertauf : bigbrother : Woher stammt der Begriff "Big Brother"?

Woher stammt der Begriff "Big Brother"?


Viele kennen "Big Brother" nur als Fernsehsendung: Eine Gruppe von jungen Leuten lässt sich monatelang einsperren, sie wird rund um die Uhr mit Kameras beobachtet und durch Mikrophone abgehört. Aber den Begriff "Big Brother" gab es schon vorher: Er stammt aus George Orwells Roman "1984", den dieser kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1949 veröffentlichte. Orwell beschreibt darin einen totalitären Überwachungsstaat, der seine Bürger rund um die Uhr und an allen Orten überwacht. Dazu dient ein System von so genannten Teleschirmen, die ähnlich wie ein Bildtelefon funktionieren.

Die Überwachung geschieht aber keineswegs im Geheimen: Überall hängen Plakate mit dem Anführer der herrschenden Partei, die so gemalt sind, dass einen die Augen scheinbar überallhin verfolgen. Darunter steht die Schlagzeile "Der Große Bruder beobachtet dich!" - im englischen Original: "Big Brother is watching you!" Orwell bezog seinen "Big Brother" auf Josef Stalin, der in den 30er Jahren auch in England viele Anhänger hatte. Bis heute stehen der Begriff "Big Brother" und der Titel des Romans "1984" für die Ausforschung der Bürger durch den Staat und andere Organisationen.

Orwells eindringliche Schilderungen möglicher Folgen staatlicher Überwachung hatten in Deutschland sogar gesellschaftspolitische Auswirkungen: Als 1983 eine Volkszählung durchgeführt werden sollte, nutzten die Volkszählungsgegner Orwells "1984" als Argumentationshilfe zur Beschreibung möglicher Folgen der Befragungsmethode. Der Romantitel fand sich daraufhin in ungezählten Presseberichten zum Thema.

Im Zusammenspiel mit allgemeiner Politikverdrossenheit und unterschwelligem Misstrauen gegenüber den Zielen des Staates mobilisierte letztlich die Furcht vor einem Orwellschen Überwachungsstaat weite Teile der Bevölkerung zum Widerstand. Nach vielen Protesten konnte die Volkszählung erst vier Jahre später in veränderter Form durchgeführt werden. Selbst das Bundesverfassungsgericht reagierte auf die Bürgerproteste: Es erhob das geforderte "Informationelle Selbstbestimmungsrecht" in den Verfassungsrang.

Quelle: Planet-Wissen

gez.B. Ru