Herzlichen Glückwunsch. Sie fragen sich
warum und wozu ? Ganz einfach. Meinen Glückwunsch zu ihrem Entschluss sich noch
ein bisschen mehr Wissen zu verschaffen oder es auch nur zu vertiefen.
Denn obwohl die meisten von uns viel Zeit und Energie verwenden weitere
Sprachen zu lernen, wird oft vergessen wie außerordentlich aussagekräftig unsere
eigene Körpersprache ist. Sie ist die Primärsprache, sie wird überall auf der
Welt verstanden.
Setzen Sie sich und ihren Körper gekonnt ein. Ohne viele
Worte. Sie werden sehen Ausstrahlung und Charisma enstehen durch Körpersprache.
Als nonverbale Kommunikation (lat.: "Non/verbal":
"Nicht mit Hilfe der Lautsprache") wird der Teil der menschlichen
Kommunikation bezeichnet, der sich averbal, also nicht nach den konventionalisierten Regeln einer
gesprochenen Sprache ausdrückt. Auch: "Zwischenmenschliche Verbindung,
Verständigung durch Gestik, Mimik od. andere nicht sprachliche Zeichen, auch Habitus."
Quelle: Duden
Nonverbale Kommunikation wird manchmal auch als analoge
Kommunikation bezeichnet, verbale Kommunikation als digitale.
Die Kinesik ist die Wissenschaft, die sich mit der
nichtsprachlichen Verständigung befasst.
Jedes Verhalten als Reaktion auf etwas oder jemanden ist
eine Art der Kommunikation, da jedes reaktive Verhalten Mitteilungscharakter
besitzt. Da Verhalten kein Gegenteil hat, man sich also nicht nicht verhalten kann,
kommt Paul Watzlawick zu der Folgerung, dass es unmöglich sei, nicht zu
kommunizieren: "Man kann nicht nicht kommunizieren". Als Ergebnis dieser Überlegungen
kann festgestellt werden, dass nonverbale Kommunikation unabhängig von verbaler
Kommunikation
existiert.
"Die Körpersprache ist nicht nur eine wünschenswerte,
zur Not aber entbehrliche Zutat zur Verbalsprache, sondern ihre umfassende
leibliche Grundlage" (Meyer,1991).
Kommunikationskanäle nonverbaler Kommunikation
Um sich der Bedeutung der nonverbalen Kommunikation klar zu
werden, müssen nicht nur die Ebenen bestimmt werden, auf denen diese abläuft,
sondern muss auch der Informationsfluss quantifiziert und in Beziehung
zur bewussten Wahrnehmung gesetzt werden. Es müssen also Aussagen über die Art
und Sensibilität der informationsaufnehmenden Rezeptoren getroffen werden:1. Das Auge mit den
nachgeschalteten Sehbahnen liefert Informationen über Mimik, Gestik und Körperhaltung
aber auch über Bewegungsmuster, Nähe und Distanz, die Pupillengröße des Gegenübers, Vegetative
Symptome und anderes.
2. Das Hautorgan
liefert über entsprechende Rezeptoren Empfindungen, die dem Tast-, Temperatur-
und Schmerzsinn zugeordnet werden. Dabei liegen dem Tastsinn (der Kinästhetik) Sensationen wie
"Kitzel", "Berührung", "Vibration",
"Druck" und "Spannung" zugrunde.
3. Der Geruchsinn
(Olfaktorik) bestimmt z. B., ob wir "jemanden riechen können".
4. Daneben
übermitteln die averbalen Elemente der sprachlichen Kommunikation – wie
Stimmfärbung, Tonhöhe usw. – über das Hören "mitschwingende"
Informationen, die eine bestimmte emotionale Einstellung
bewirken sollen.
Folgende Tabelle gibt einen quantitativen Überblick darüber,
wieviel an Information pro Sekunde von unseren Sinnesorganen aufgenommen werden
kann. Ein Bit stellt dabei die kleinste mögliche Informationseinheit dar:
Sinnesorgan: Bandbreite
in Bit pro Sekunde (gerundet):
Augen
10.000.000
Haut 1.000.000
Ohren
100.000
Geruch
10.000
Geschmack 1.000
Der größte Teil von Informationen wird vom Menschen
unbewusst aufgenommen und selektiert. Das Bewusstsein (?) wäre mit dieser Fülle
an Information überfordert. Diese allgemeingültige Aussage stützt sich zwar
auch auf Sigmund Freud, der den vom Es gesteuerten Motiven eine wesentlich
höhere Bedeutung beigemessen hat als den bewussten. Freuds Unterbewusstsein
und das Unbewusste, von dem hier auch gesprochen werden soll, sind jedoch nicht deckungsgleich.
Entscheidend in diesem Zusammenhang sind jedoch in erster
Linie die Mechanismen, die das Bewusstsein des Menschen vor einer
Informationsüberflutung schützen, ohne die wesentlichen Botschaften zu
unterschlagen. Hier unterscheidet sich der Mensch nicht prinzipiell vom Tier:
Die Informationsmenge, die unser Bewusstsein erreicht, ist vergleichsweise klein. Sprache und
Bewusstsein sind gut, die Grundlagen zum Überleben in einem sozialen System
wurden jedoch schon
vor deren Entwicklung geschaffen.
In zweiter Linie wird es darauf ankommen, jene zerebralen
Verarbeitungs- und Strukturierungsmechansimen zu betrachten, die die Wertigkeit
der unbewusst
wahrgenommenen Informationen nach verhaltensrelevanten
Gesichtspunkten ordnen.
Da es hier um nonverbale Kommunikation im engeren Sinn geht,
das heißt um den zwischenmenschlichen Aspekt derselben, wird in dritter Linie
auf die Strukturen
der Interaktion von Menschen einzugehen sein, die vor dem
Erwerb der Sprache schon vorhanden waren.
Unbewusste nonverbale Kommunikation
Neben den visuell aufgenommenen Informationen, denen in der
nonverbalen Kommunikation generell ein hoher Stellenwert beigemessen wird
(Mimik und Gestik),
haben auch die übrigen Sinne eine enorme Bedeutung für das
durch nonverbale, direkte Kommunikation gesteuerte Verhalten.
Vor allem die über den Geruchsinn unterhalb der
Wahrnehmungsschwelle aufgenommenen Signale wie beispielsweise entfernter
Verwesungsgeruch, ein Feuerherd, die Zusammensetzung der Luft vor einem Gewitter
oder die Rezeption von Pheromonen (sexuelle Botenstoffe des menschlichen
Körpers) beeinflussen unser Verhalten unbewusst.
Dies hat seine Ursache in der bereits auf der Ebene des
Stammhirns stattfindenden Verarbeitung, auch wenn die Schwelle zum Bewusstsein
nicht überschritten wird. Da das Stammhirn, auch als "Reptilienhirn"
bezeichnet, ein wichtiges Steuerungsorgan für unsere autonomen Funktionen
darstellt, können wir oft nicht erklären, warum uns plötzlich die Libido, Angst oder
Unsicherheit scheinbar unvermittelt überkommen.
Die genetische Prägung solch elementarer Signale, die auf
Tod, Fortpflanzungsmöglichkeit oder Gefahr durch Naturgewalten hinweisen,
werden als Erbe aus frühgeschichtlicher Vorzeit des Menschen angesehen. Die so
gewonnenen Informationen werden anschließend im entwicklungsgeschichtlich viel
jüngeren Großhirn kognitiv verarbeitet und mit archetypischen
Verhaltensmustern gekoppelt.
Im letzten Bearbeitungsschritt formt der intelligente
Verstand aufgrund von sozialisierter Erfahrung dann die passenden Begründungen
und Argumente und entwickelt intelligente Strategien, um beispielsweise einen
Heimweg zu finden oder die Paarung zu ermöglichen.
Während der fruchtbaren Tage sendet der Körper der Frau
Pheromone aus, die dem männlichen Gegenüber auf der unbewussten Ebene
entsprechende Paarungsbereitschaft signalisieren. Nimmt umgekehrt der
weibliche Körper allerdings über einen längeren Zeitraum keine männlichen
Pheromone über den Geruchssinn auf (beispielsweise in Frauenhaftanstalten), so
bleibt der Follikelsprung aus. Der genetische Code verwandter Menschen sorgt
auf dem gleichen Wege
für sexuelle Unattraktivität und Abkehr, um Inzucht zu
verhindern.
Von Seiten der Industrie wurde bereits mehrfach auf diesen
Mechanismus zurückgegriffen. So begann Audi Ende der achtziger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts, seine Verkaufsräume mit Zitronella, einem
Zitronenextrakt, zu beduften, was eine Steigerung von Aufmerksamkeit und
Wahrnehmung bewirken sollte. Dies wurde jedoch wieder eingestellt, da der aufmerksame
Verkäufer, der mit einem Lächeln auf den Kunden zugeht, auf anscheinend
preiswertere Weise eine viel höhere Aufmerksamkeit erreicht.
Teilbewusste nonverbale Kommunikation
Bestimmte körpersprachliche Signale laufen teilbewusst ab.
So bemerken wir i. d. R. durchaus bestimmte Veränderungen unserer Mimik selbst,
über weite Strecken nehmen wir diese Veränderungen jedoch nicht wahr und können
diese auch nicht bewusst zur Kommunikation einsetzen. Friedrich Nietzsche hat
das schon auf den Punkt gebracht: "Man lügt zwar mit dem Mund, mit
dem Maul, doch durch das, was man dabei macht, sagt man doch die
Wahrheit." Bestimmte autonome
Körperfunktionen wie beispielsweise Schweißbildung,
Pupillenveränderung oder Pulsschlag, welche dem Gegenüber durchaus auffallen,
können nicht bewusst gesteuert werden, sind jedoch zum Teil durchaus selbst
wahrnehmbar. Durch längeres "Training" wohl kaum, jedoch mit
Hilfe einer Psychotherapie und hier besonders der Verhaltenstherapie ist es oft
möglich, die diesen Veränderungen zugrunde liegenden emotionalen Ursachen wie z. B. Stress,
Furcht, Angst, Scham usw. zu bearbeiten und wenn schon nicht zu beseitigen, so
doch besser zu kontrollieren. Diese Veränderungen sind augenscheinlich: Das
ganze Auftreten ist ein anderes.
Ähnlich den olfaktorischen Signalen bildet die Körpersprache
ebenfalls Ausdrucksformen einer genetisch veranlagten Verhaltenssteuerung ab.
Diese führen uns beispielsweise in Gefahr zu erhöhter Leistungs- und
Wahrnehmungsfähigkeit (Hautwahrnehmung durch Schweißbildung, gesteigerte
Leistungsfähigkeit durch Pulsveränderung, Wahrnehmungsveränderungen des
Gesichtsfeldes bei Gefahr etc.) oder sie helfen uns bei der Vorbereitung der
Fortpflanzung, das jeweils beste
erreichbare genetische Material zu gewinnen (die kräftige
männliche Erscheinung als Zeichen für Durchsetzungsfähigkeit beziehungsweise
die Ausprägung der primären Geschlechtsmerkmale der Frau zur Versorgung der
Kinder). Da diese Einschätzungen teilweise unbewusst ablaufen, werden sie
kulturell oft verleugnet. Längerfristige Veränderungen in den Lebensgewohnheiten des
Menschen drücken sich ebenfalls körpersprachlich aus. Zu nennen sind hier
exemplarisch die
Beschaffenheit von Fingernägeln oder Haaren,
ernährungsbedingte Veränderungen der Haut oder Fettablagerungen beziehungsweise
Muskelaufbau, Haltungsstörungen im Wirbelsäulenbereich aufgrund mangelnder
Vitalität oder mimische Veränderungen aufgrund lang anhaltender einseitiger
emotionaler Lebenssituationen (die "griesgrämige Erscheinung",
die "Lachfalten", das "markante Kinn"). Die Fähigkeit der Decodierung derartiger Signale hat sich,
ebenso wie die unbewusste nonverbale Aussendung solcher Signale und die
körpersprachliche Ausdrucksform im Laufe der Evolution als nützlich erwiesen.
Zum einen, um im Wettbewerb das beste genetische Material für den Arterhalt zu
sichern. Zum anderen, um im sozialen Umgang miteinander Vorteile zu
gewinnen.
Ein besonders wichtiges Beispiel ist in diesem Zusammenhang
das Lachen. Vor allem Frauen haben aufgrund ihrer sozialbetonten Veranlagung
das Lachen und das Lächeln kulturhistorisch auch immer schon als
"Waffe" eingesetzt, und zwar als "Gegengewicht" zu
auftretenden sozialen Spannungen in der Gruppe und in der Familie. Auch heute noch beobachten Verhaltensforscher, dass
Frauen in Führungspositionen eher gekonnt mit einem Lächeln zum rechten
Zeitpunkt entscheidende
Verhandlungssituationen entspannen können. Eine Fähigkeit,
die genetisch veranlagt und durch die evolutionär geprägte Übung im
Umgang mit Sozialisationsprozessen bei der Erziehung und Versorgung der
Gruppe von überlebenswichtiger Bedeutung war. [ Nicht verwechseln mit
der
Erkentniss "Lächeln bedeutet Zähne zeigen" und somit den Gegner
einschüchtern ].
Im Berufstand des Schauspielers zählt es zu den höchsten
Leistungen, bis in die teilbewussten körpersprachlichen Bereiche hinein im
Laufe der Proben "in den Ausdruck gehen" zu können. Menschen, die sich gut
verstehen, gleichen sich dem anderen in Tonfall, Gestik und Mimik, Distanz,
Lautstärke und Körperhaltung unbewusst an. In der neurolinguistischen Programmierung wird
diese Fähigkeit "Pacing" genannt und ist Teil der Ausbildung in
bewusster Kommunikation.
Bewusste nonverbale Kommunikation
Die Gestik des Menschen drückt sich durch Arme und Hände
aus. Allerdings ist Gestik nur bedingt als "nonverbal" zu bezeichnen,
da sie sich sowohl zeitlich als auch inhaltlich direkt auf die verbale Kommunikation
bezieht, diese ergänzt und auch ersetzen kann.
In der irrigen Annahme, dass Körperbewegungen keine
sprachlichen ("verbalen") Signale enthalten können, wird
Gebärdensprache in diesem Kontext oft als "Bewusste nonverbale Kommunikation" betrachtet. In
der Gebärdensprach-Linguistik selbst werden dagegen die
"Nicht-sprachlichen" begleitenden Kommunikationsanteile der Körperbewegungen als
"nonverbale Kommunikation" bezeichnet. Beispiele sind das Winken und
Wedeln mit den Armen oder das Antippen des Gesprächspartners, um seine Aufmerksamkeit zu erreichen.
Die Mimik - siehe folgender Absatz - wird dagegen von der
Gebärdensprach-Linguistik als Bestandteil des Gebärdensprach-Korpus betrachtet.
Die Mimik ist auf das Gesichtsfeld, insbesondere die Augen-
und Mundpartie bezogen. Hier finden sich nuancenreiche Ausdrucksformen, die oft
mehr über unser inneres Erleben sagen, als viele Worte. Auch diese Fähigkeit
des "Lesens" in einem Gesicht ist Teil unserer genetischen Veranlagung
aus der Zeit, in der die Sprache noch nicht entwickelt war. Versuche, diese extrem
vielschichtige und facettenreiche Sprache in wissenschaftliche Kategorien zu
systematisieren, sind
bisher kläglich gescheitert oder werden nicht anerkannt, da
sie nicht falsifizierbar sind (siehe Physiognomie).
Als Teil der gesellschaftlichen Sprache ist der bewusste
Einsatz von Gesten, Mimik und Körperstellungen Bestandteil jeder menschlichen
Kultur. In unterschiedlichen
Gebieten der Erde haben ähnlich ausgeführte Gesten zum Teil
eine vollkommen gegenteilige Bedeutung.
* So bedeutet
beispielsweise das Kopfnicken in Griechenland Ablehnung,
* der direkte
Augenkontakt in islamischen Ländern eine Belästigung, [in Gefängnissen gar eine
[pure Provokation]
* das Abwinken mit der Handfläche nach unten
in Afrika eine Einladung.
* [Kopfschütteln
der Inder ein Zeichen der Zustimmung]
Im Gegensatz zu den teilbewussten Ausdrucksformen
nonverbaler Sprache, ist es in den bewussten Bereichen der Körpersprache möglich,
nonverbale Ausdrucksformen zu erlernen. [Merke: Sie sind ebnefalls wie
unsere Gesten angelernt und nicht wie Gesichtsausdrücke angeboren]
Beispiele hierfür sind:
* Das Anlächeln
des Gegenüber zur Kontaktaufnahme
* Das
„Pokergesicht“ des Kartenspielers
* Die
Unterstützungsgestik mit den Händen im Dialog
* Der
"selbstbewusste Händedruck" des Verkäufers
[Das ruhige
Sitzen Stehen während einer Unterhaltung]
[Der
"feste" Blick in die Augen seines Gespächspartners]
[Die kontrollierte Körperspannung]
Eine kultivierte Kombination verschiedener Signalhandlungen
bewusster nonverbaler Kommunikation, vor allem der Frau, ist in diesem
Zusammenhang die gezielte Verwendung von Duft- und Farbstoffen sowie sorgfältig ausgewählter
Kleidung in gesellschaftlicher Umgebung als Lockmittel sowie als
Ausdruckselement "gepflegter" und somit attraktiver Erscheinung.
Die Kleidung als Element der Körpersprache stellt somit den
dritten Bereich der bewussten nonverbalen Kommunikation dar. "Kleider
machen Leute" und nicht erst seit "Des Kaisers neue Kleider" oder der
Geschichte des "Hauptmann von Köpenick" ist klar, dass Geschmack,
Stil, Wert und Funktion der menschlichen Kleidung als gezielte Ausdruckselemente nonverbaler Kommunikation gewählt
werden. Die "Verkleidung" im Karneval macht manchen
Menschen besonders viel Freude, sodass sie mitunter das ganze Jahr damit
verbringen, wertvolle Kostüme zu nähen,
um einmal im Jahr eine andere Rolle zu spielen. Der
"Karnevalsprinz" ist in rheinischen Hochburgen des Karnevals Ausdruck
des Wunsches nach Macht und Status.
Die Kleidung als Element der Körpersprache wird ggf. um
weitere Aspekte ergänzt, wie beispielsweise den verwendeten Schmuck, das
"angemessene" Verkehrsmittel oder die Wohnungswahl und -einrichtung als
erweitete Elemente individueller nonverbaler Kommunikation.
Auch hier lassen sich wiederum Motivationselemente des
social standing, der (unbewussten) Partnerwahl oder zur Bildung von Hierarchien
in sozialen Gruppen erkennen.
Distanzen
Man unterscheidet zwischen:
* intimer Distanz
(etwa Armlänge) [z.B. Paare und sehr enge Freunde]
* sozialer Distanz
(1-3 Meter) [z.B. unter Arbeitskollegen]
* öffentlicher
Distanz (> 3 Meter) [z.B. Bushaltestelle,Bahnhof]
Diese Distanzzonen haben sich aufgrund der möglichen
Bedrohung des Menschen durch seine Umgebung evolutionär gebildet. Die Distanzzonen unterscheiden sich von Kontinent zu
Kontinent. So sind zum Beispiel die Distanzzonen in Europa wesentlich geringer
als in Nordamerika. Zum Teil
beträgt die intime Distanz bis zu neun Meter, aber nur bei
Menschen die allein in einem abgeschiedenen Gebiet leben. Wir lassen freiwillig nur ungern fremde Menschen in unsere
Intimzone eindringen. Dies ist sicher mit ein Hauptgrund für die starke und -
ökonomisch wie ökologisch
vollkommen unsinnige - extreme Entwicklung des
Individualverkehrs, der dem Menschen auch nach dem Verlassen seiner
"Behausung" eine gesicherte Intimzone gewährt. In Großstädten stellt der eigene Pkw im Gegensatz
zur Nutzung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs nach wie vor ein
entsprechendes Statussymbol dar, dass ungern aufgegeben wird.
Bei ungewolltem Eindringen in die Intimzone unter
Platzmangel (vgl. überfüllter Bus, Lift) wird das Gegenüber meist schlichtweg
ignoriert [zur Decke oder zum Boden schauen].
Die soziale Distanz hat sich aufgrund der mittleren
Reichweite normal gesprochener Sprache gebildet. Hier kann von lebhafter
Kommunikation ausgegangen werden, die andererseits nicht unmittelbar bedrohlich
(handgreiflich) werden kann.
In der öffentlichen Distanz bewegen wir uns relativ sicher.
Die "Obacht" lässt nach, da potentielle Gegner aus dem Umfeld eine
gewisse Distanz zu überbrücken haben, bis sie uns erreichen. Verbale Kommunikation ist mit
erhobener Stimme möglich, oft werden Gesten zur Verständigung eingesetzt. Bei
Versuchen an leeren Tischen in einem Restaurant bildet diese Zone regelmäßig die
Zellenstruktur der Besetzung von Tischen, und zwar solange, bis der Raum
gefüllt oder die attraktiven Plätze besetzt sind. Erst später werden soziale und intime
Abstände gewählt.
Rollenverhalten
Bei näherer Betrachtung und bewusster Wahrnehmung wird
deutlich, dass nonverbale Kommunikation und Körpersprache zum überwiegenden
Teil nicht steuerbar und oft auch nicht unmittelbar nachvollziehbar sind.
Die Teile der Körpersprache, die der Mensch hingegen
versucht zu kontrollieren, kommen beim Gegenüber deswegen häufig als
inkongruent an, weil sie "unbewusst" als unstimmig zur verbalen Aussage
aufgedeckt werden. Diese Fähigkeit hat den Menschen bis zur Entwicklung des
Großhirns evolutionär sinnvoll begleitet. Versuche diese Abläufe kognitiv zu überlagern,
stellen eine enorme Anforderung an die Konzentration dar und sind nur mit
jahrelangem Training möglich.
In einer ausgeprägten Rolle kann der Mensch häufig nur
Stunden, im besten Fall Tage ausharren, dann holt ihn seine angestammte und
länger etablierte Körpersprache wieder ein. Die Alternative besteht darin,
neue Werte, Sozialumgebungen und Gewohnheiten zu entwickeln, in denen er
langsam lernt ein neues,sozialtypisches Körperverhalten zu zeigen.
Eine weitere Sicht des menschlichen Rollenverhaltens hat
Moreno im medizinischen Rahmen für das Psychodrama entwickelt. Sein Konzept zum
Rollenverständniss im Umgang mit Emotionen und zwischenmenschlichen Beziehungen
entwickelt einen therapeutischen Zugang zur Persönlichkeit.
Nonverbale Lernstörung und Prosopagnosie
Menschen, die aufgrund ihrer angeborenen Neurologie
Körpersprache nicht verwenden oder verstehen (Nonverbale Lernstörung engl.
Nonverbal Learning Disorder (NLD)) sind für Körpersprache nicht empfänglich. Ein
schmerzverzehrtes Gesicht bleibt für sie bedeutungslos. In den USA reichen
Schätzungen über die Verbreitung der nonverbalen Lernstörung bis 0,5% der
Bevölkerung. Menschen mit Prosopagnosie verstehen Körpersprache, aber sie
erkennen Menschen nicht an
ihren Gesichtern, sondern z.B. an ihrer Stimme. Daher
reagieren sie möglicherweise auf Körpersprache nicht, solange sie ihren
"Gesprächspartner" nicht alleine am Aussehen erkannt haben. In einer Untersuchung unter 500
SchülerInnen in Münster wurden 2% mit Prosopagnosie diagnostiziert.
Zitate
* "Der Körper
ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare". (Christian Morgenstern)
* "Vultus
loquitur quodcumque tegis". (Deine Miene spricht aus, was auch immer Du
verheimlichst.) (Seneca)
* "Was jemand
denkt, merkt man weniger an seinen Ansichten als an seinem Verhalten."
(Isaac Bashevis Singer, Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur)
* "Höre auf
dass was man dir sagt und schaue hin wie der Körper es dir erzählt. Erst dann
wird dir die Wahrheit offenbart. [Holger Schumacher]
Bericht: Holger Schumacher
Quellen: Samy Molcho [ Körpersprache,Körpersprache als
Dialog], wikimedia, duden, Horst Rückle [Körpersprache für Manager], Jürgen
Höller, B.Enkelman, Roz Levine[Was Hände
verraten], Derek und Julia Parker [Das Gesicht] |