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Home : sport : news : Mehr Sex zur WM?

Mehr Sex zur WM?

Mehr Sex zur WM?

Wird es zur WM zu eng
auf dem Straßenstrich?
(1)

Die Fußball-Weltmeisterschaft soll sich lohnen. Das gilt auch für das älteste Gewerbe der Welt, das sich durch die überwiegend männlichen Besucher steigende Umsätze erhofft. Nach einer inoffiziellen Schätzung des Deutschen Städtetages sollen bis zu 40.000 Prostituierte zur WM nach Deutschland einreisen. Auch in Dortmund wird ein leichter Anstieg der Prostitution erwartet. Stadt, Polizei und Beratungsstellen warnen aber vor Panikmache.

 

"Über Prostitution zu schreiben, scheint zu dieser WM in Mode gekommen zu sein. Ich habe einen Interviewtermin nach dem nächsten zu dem Thema", sagt Gisela Zohren von der Dortmunder Prostituierten-Beratungsstelle Mitternachtsmission. Schuld daran seien Gerüchte. "Sicher werden einige Prostituierte aus dem benachbarten Ausland zu uns kommen. Aber man sollte die Sache auch nicht unnötig aufbauschen", findet sie.

 

Die Zahl von 40.000 Prostituierten, die angeblich erwartet werden, hält sie für absolut unseriös. Gisela Zohren macht sich ganz andere Sorgen, zum Beispiel, dass angetrunkene Fans den Damen gegenüber gewalttätig werden könnten. Deshalb verhängt sie für ihre Mitarbeiterinnen für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft eine Urlaubssperre. "Wir werden an Bordellbetreiber, Krankenhäuser, Hotels und Taxistellen Kärtchen verteilen, auf denen die Telefonnummern unserer Beratungsstelle stehen." Die Notruf-Hotline für Prostituierte wird während der WM 24 Stunden am Tag erreichbar sein.

 

"Bei Groß-Ereignissen mit vielen Männern ist der Bedarf immer größer"

 

Dennoch kämen die Fußballfans in erster Linie wegen Fußball - das werde in der Berichterstattung mitunter vergessen, meint Zohren. Dass die Prostitution etwas ansteigen werde, bezweifelt niemand. Die Masse macht's eben, weiß auch Elke Rehpöhler von der Dortmunder Kommunikations- und Beratungsstelle für Prostituierte, KOBER. "Ich rechne mit einem Zuwachs von Kunden und Prostituierten. Schließlich sind einige unserer Frauen auch zu den Olympischen Spielen nach Griechenland gereist", sagt Rehpöhler. Von Messe- und Konferenzorten sei das Phänomen ebenfalls bekannt.

 

Hier sollen "Verrichtungsboxen" für
ungestörten Sex aufgestellt werden.
(2) 

Auch die Stadt Dortmund hat sich mit der Problematik auseinander gesetzt. Über sogenannte "Verrichtungsboxen", wie es sie in Köln bereits seit fünf Jahren gibt, wurde lange diskutiert. Jetzt hat der Rat beschlossen: Auch in Dortmund wird es etwas Vergleichbares geben. Ein brach liegendes Gelände der Deutschen Bahn am Straßenstrich Ravensberger Straße wird zur "Verrichtungsfläche". Die Stadt hat das Gelände für 1500 Euro im Monat angemietet und lässt es für rund 130.000 Euro umbauen.

 

Zwanzig "Verrichtungsboxen" für ungestörten Sex

 

Die Ravensberger Straße soll nur noch "Anbahnungszone" sein. Eine neue Fahrbahn mit Wendeschleife wird mit der eigentlichen "Verrichtungsfläche" verbunden. Dort werden zwanzig Parkbuchten mit Sichtschutz-Wänden gebaut, hinter denen der käufliche Sex stattfinden soll. Die Buchten sind so gebaut, dass man auf der Fahrerseite nicht aussteigen kann. Von der Beifahrerseite aus ist ein Alarmknopf erreichbar. Drückt man diesen Knopf, jault eine Sirene los, und ein Warnlicht leuchtet auf. "Damit wollen wir für mehr Sicherheit der Frauen sorgen und gleichzeitig den Sex aus den Wohngebieten fernhalten", sagt der Dortmunder Rechtsdezernent Wilhelm Steitz. "Mit der WM hat das allerdings nichts zu tun."

 

Schon jetzt herrscht reger Betrieb
an der Ravensberger Straße.
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Denn in der Ravensberger Straße wird es auch ohne den erwarteten Prostituierten-Zuwachs langsam eng. Am Wochenende ist oft soviel los, dass es durch den "Freier-Such-Verkehr" zu regelrechten Staus kommt. Freier und Prostituierte weichen schon jetzt auf entfernte Parkplätze aus. Über diese "inakzeptable Ausfransung" empören sich Anwohner regelmäßig. Die Beratungsstellen sind mit der Parkbuchten-Lösung zufrieden. Auch die Polizei hält die Lösung für angemessen.

 

Sie rechnet während der Fußball-Weltmeisterschaft mit einem Anstieg von etwa 200-300 Prostituierten in Dortmund. "Vermutlich werden die hiesigen 16 Bordellbetriebe und auch die Linienstraße sämtliche Kapazitäten ausschöpfen. Auf dem Straßenstrich glauben wir, die Sache einigermaßen im Griff zu haben. Wir haben enge Kontakte zu den Beteiligten und führen regelmäßig Kontrollen durch", sagt Oliver Peiler von der Polizei.

 

Hartes Durchgreifen gegen Zwangsprostitution

 

Der deutsche Frauenrat dagegen befürchtet, dass durch die WM Zwangsprostitution ansteigen könnte. Mit der Initiative "Abpfiff - Schluss mit der Zwangsprostitution" will die Organisation auf dieses Problem aufmerksam machen. Und das Anliegen wird anscheinend ernst genommen: Für die Schirmherrschaft konnten der Präsident des deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, und Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit gewonnen werden. Allerdings erst, nachdem sich Zwanziger Monate lang bitten ließ. Polizei-Sprecher Peiler sieht im Bereich der illegalen Prostitution keine Chancen für Verbrecher. "Sollte es vermehrt zu Zwangsprostitution kommen, gehen wir davon aus, dass wir Tipps aus dem Milieu bekommen. Ein konsequentes Durchgreifen wäre die Folge."

 

Schon jetzt wird es eng - rund 400 Prostituierte
arbeiten auf dem Straßenstrich.
(4)

Im Moment arbeiten laut KOBER etwa 400 Prostituierte unregelmäßig auf dem Straßenstrich im Dortmunder Norden. Und auch die heimischen Prostituierten selbst bereiten sich auf die möglichen neuen Kolleginnen vor. "Wenn die kommen, mach' ich Urlaub", kommentiert zum Beispiel die 49-Jährige Prostituierte Karin S. die Spekulationen. "Es wird einfach zu eng hier, und die Ravensberger Straße verlasse ich nur sehr ungern. Anderswo bist du den Freiern ausgeliefert", sagt sie. Sie ist für die Boxen-Lösung, da es dort einen Alarmknopf geben wird.

 

Andere halten nicht viel davon. "Die Boxen sind doch schwachsinnig. Wenn ein Freier dich angreifen will, geht er da bestimmt nicht rein, sondern besteht auf ein anderes stilles Plätzchen", meint Kollegin Tina W. Im Moment sei die Lösung sicherlich besser als nichts, sagen dagegen die Beratungsstellen, und sie werden schließlich auch erhalten bleiben. Denn auch wenn die Fußball-Weltmeisterschaft vorbei ist und die allgemeine Wirtschaft wieder schlapp machen sollte: Das älteste Gewerbe der Welt läuft immer gut.



H.S.
Orginaltext und Quelle:
Samira Kügler  WM-Portal Dortmund (wmp)

FOTO 1 u. 4: Christine Veenstra  FOTO 2 u. 3: Samira Kügler